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Zitate von Johann Künzle

«Die Brennnessel, urtica dioica, gleicht einem „ruchen Cholderi“, der ein gutes Herz hat und im Notfall dem Nachbar das Leben retten würde mit Aufopferung des seinigen. Warum hat der liebe Gott dieser Pflanze das Feuer gegeben? Erstens, damit man sie kenne; ich habe viele Stadtleute getroffen, die ausser der Brennnessel keine Pflanze kennen … Zweitens, damit sie nicht von den Tierlein ausgetilgt werden, denn vom jungen Buseli bis zum letzten Schneck würde alles an ihr gnagen und zehren, weil sie ihnen vorkommen würde wie feinste Schokolade. Das Feuer ist eben eine Verbotstafel, die jede Gaiss lesen kann.»

(Johann Künzle, Datum unbekannt)

 

«Sollte der Allweise die vielen leiblichen Gebrechen des Menschen übersehen haben oder dann die Heilmittel so schwierig gestaltet haben, dass man dieselben nur nach 12jährigem Studium und vielem Griechisch und Latein erkennen kann? Gewiss nicht! Genug und gute Heilmittel hat Er in der Pflanzenwelt hinterlegt und selbe vor die Türe, an die Strassen und Zäune und überall in den Weg gesät. …»

(Johann Künzle in «Salvia», 1921)

 

«… Du weisst, das der Rauch vom Feuer herkommt, das im Herde brennt; du wirst somit das Feuer im Herde ausgehen lassen, dann verschwindet auch der Rauch. – Nicht so macht es die Schulmedizin. In vielen Schulen werden die jungen Mediziner strenge dazu vergehalten, den Rauch genau zu untersuchen, zu zerlegen, zu zerteilen und einzufangen; das Feuer unten im Herde zu löschen, das ist nicht wissenschaftlich, nicht lateinisch, ist Natur-Medizin und daher verwerflich. …»

(Johann Künzle in «Salvia», 1921)

 

 «Professor Bücherwurm ist erst 40 Jahre alt, lebt ganz solid, ist Totalabstinent, raucht nicht und spielt nicht, aber gibt jede Woche 30 Stunden Unterricht und studiert gewöhnlich bis nachts 11 oder 12 Uhr; er hat einen wunderschönen Kahlkopf. Den kann er nur verbessern, wenn er die Hälfte der Geistesarbeit weglässt, sonst nützt auch ein Eisenbahnwagen voll Haarwasser rein gar nichts.»

(«Pfarrer Künzle’s Volkskalender»,  1931)

 

«... dies brauchen freilich nur jene zu lesen, auf deren Grindelwald es schon zu herbstelen anfängt oder gar alles durch Kahlschlag schon abgeholzt worden ist. Aus den Früchten der Kapuzinerkresse bereiteten und bereiten noch die Peruaner, denn von dort kommt die Kapuzinerkresse, ein berühmtes Haarwuchsmittel, das famos helfen soll. Da ich noch nie dort war, auch noch keinen Peruaner auf seinen Haarboden untersucht habe, kann ich nicht sagen, ob's stimmt. Man muss halt die Sache probieren! ...»

 (Johann Künzle in «Salvia – Monatshefte für giftfreie Kräuterheilkunde», 1940)

 

«Frühlingskur. Es gibt viele Leute, die ohne bettlägerig zu sein, doch fast immer unwohl sind, die haben keinen Appetit und verschmähen den besten St. Galler-Schübling, sind verstopft wie die Tore der Hölle, auf der Brust und im Magen fühlen sie sich voll und beklemmt, und im Kopfe ist Hitze und Weh, schlafen können sie selten und dann noch unruhig und sind voll böser Träume; sie laufen allen Ärzten nach und sind deren Kreuz, schreiben allen Quacksalbern bis nach London und Newyork, haben schwankenden Gang wie Parteiführer nach einem Wahlsieg, sind lebendige Jammerorgeln mit 365 Registern, oft noch mit Orchesterbegleitung. Wenn solche Leute den ernsten Willen haben, gesund zu werden, so sollen sie 8 bis 14 Tage eine der sogen. Frühlingskuren (Anm. zwei Rezepte folgen) ... Der verlorene Appetit kehrt wieder, Kopfweh und Druck im Leibe ist fort, die Mehlsackfarbe vergeht, der Totengräber kann seine Schaufel wieder in den Schopf stellen ...» (Johann Künzle in «Chrut und Uchrut», 1912)

 

«An Habermus gewöhnte Leute sind gesund wie die Bulgaren, bei Humor wie der Gaissbub, schlafen wie die Bären, aber sind nicht bärbeissig und stechig. Habermus-Kinder sind rotwangig, pausbackig und schauen drein wie Gottes liebe Sonne im schönen Heuet.» (Johann Künzle, Datum unbekannt)

 

«Nervosität ist die Hauptkrankheit unserer Zeit; wer irgendwie höhere Bildung oder Einbildung verraten will, hält es für ganz unanständig, ohne Nervosität herumzulaufen.» (Johann Künzle, Datum unbekannt)

 

 «Obe send s'gröscht wie Isbäre mit drei Pelzschlotte - one wie Störch!»

«Mit glicher Sympathi trägets au z'engi Chumet (Corset), z'schmali Schüeli und höchi Giraffeabsätz, - dezue wends wie d'Schleierüüle öbers Gsicht es Netzli ha.»

(Johann Künzle über Damenmode)

 

«Wer tötet am meisten Frauen? Nicht die Arbeit, nicht die Nässe, nicht die Kindbett, nicht die Armut, sondern der Zement in der Küche. Alle ohne Ausnahme, die viel darauf stehen müssen, bekommen irgend ein Uebel, wie Zahnweh, Halsweh, Gsüchter, Rheumatismen und zuletzt Gicht; auch viele Unterleibs-Leiden und Fehlgeburten sind die Folge. Der Zement ist der grösste Frauenmörder. (...) Sollte es einmal dazu kommen, dass in den obersten Gesundheitsbehörden einfache Leute sitzen und nicht lauter Gelehrte, dann wird der Zementboden in Küchen und Arbeitsräumen bei Zuchthausstrafe verboten werden. Die Herren Gelehrten arbeiten eben in Stuben mit Holzböden und kümmern sich nicht übermässig um die Ungelehrten, von denen sie erhalten und bezahlt werden.»

(Johann Künzle in «Salvia - Monatshefte für giftfreie Kräuterheilkunde», 1923)

 

 «Merkwürdigkeiten der Natur. ... Wie weiss der durchaus ungeschulte Igel, dass er bei feindlichen Angriffen sich nur zusammenrollen braucht, um jedem Feind zu entgehen? Wie fein ist die Berechnung der Hausschnecke, damit ihr das Gehäuse passt. Hat denn diese etwa Mathematik und Baukunst studiert?»

(Johann Künzle in «Salvia - Monatshefte für giftfreie Kräuterheilkunde», 1923)